Bürokratische Hürden belasten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. Um praxisnahe Lösungen zu finden, setzt die deutsch Bundesregierung verstärkt auf Praxischecks. In diesen Workshops arbeiten Unternehmen und Behörden gemeinsam an der Identifizierung bürokratischer Hemmnisse und entwickeln Vorschläge zur Vereinfachung. Eine aktuelle Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zeigt, dass dieses Instrument ein wichtiger Schritt zur Entlastung von Unternehmen sein kann.
Erfolgsmodell aus dem Ausland als Vorbild
In den Niederlanden und der Schweiz sind Praxischecks bereits fester Bestandteil des Gesetzgebungsprozesses. In den Niederlanden gibt es seit 2018 die sogenannten KMU-Checks, bei denen Unternehmen frühzeitig in neue Gesetzesvorhaben eingebunden werden. Etwa 50% dieser Checks führten zu Anpassungen an den Gesetzesentwürfen. In der Schweiz übernimmt das KMU-Forum eine ähnliche Funktion, wobei rund zwei Drittel der Empfehlungen in die Gesetzgebung mit einfließen. In Deutschland wurden bislang acht Praxischecks durchgeführt, allerdings nur zur Überprüfung bestehender Vorschriften (ex-post). Die Autoren der Studie empfehlen jedoch, das Verfahren systematisch auszubauen und auch für neue Gesetzesvorhaben (ex-ante) einzusetzen, um unnötige bürokratische Hürden von Beginn an zu vermeiden.
Mehr Verbindlichkeit und Transparenz gefordert
Die Studienautoren Michael Holz, Annette Icks, Peter Kranzusch, Jonas Löher und André Pahnke fordern, dass die Ergebnisse der Praxischecks verbindlicher in politische Entscheidungen einfließen. „Praxischecks schließen eine zentrale Lücke im Bürokratieabbau“, so das IfM Bonn. Trotz eines insgesamt rückläufigen Bürokratiekostenindex klagen Unternehmen über steigende bürokratische Belastungen und zunehmende psychologische Hürden. Viele empfinden Vorschriften als unverständlich und schwer umsetzbar, was Frustration und Zeitverluste verursacht. Die Bundesregierung plant daher, das Verfahren weiter auszubauen und die Anzahl der Praxischecks künftig auf mindestens zwei Praxischecks pro Jahr zu erhöhen. Ziel ist es, Bürokratie effizienter zu gestalten und Unternehmen mehr Freiräume für ihr Kerngeschäft zu geben.