Vom Stahlkasten zum Smart Safe

Wie Hartmann Tresore die Branche digitalisiert

Foto: © Hartmann Tresore

Die Sicherheits- und Tresorbranche steht für Tradition und  klassisches Handwerk – doch genau das macht es besonders herausfordernd, wenn es um Innovation und Transformation geht. Der Paderborner Tresoranbieter Hartmann Tresore sah sich mit genau dieser Schwierigkeit konfrontiert. Markus Hartmann, Vorstand des Familienunternehmens, berichtet, wie ihm trotz großen Widerstands in der Belegschaft eine erfolgreiche Transformation in einer der innovationsresistentesten Branchen gelungen ist.

Die Tresorbranche ist traditionell von Skepsis gegenüber digitalen Lösungen geprägt. Tresore werden oft als Investitionsgüter betrachtet, die Kunden vor dem Kauf persönlich sehen möchten. Die Vorstellung, solche Produkte über das Internet zu verkaufen, schien lange Zeit unmöglich. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen in dieser Branche jahrzehntelang nach den gleichen Prozessen gearbeitet haben – ein radikaler Wandel wie der Schritt in den E-Commerce erfordert daher nicht nur technologische Anpassungen, sondern auch ein kulturelles Umdenken.

Foto: © Hartmann Tresore

Der Wandel begann, als Markus Hartmann bemerkte, dass Wettbewerber bereits erfolgreich Onlineshops etabliert hatten und dadurch Marktanteile gewannen. Für ihn war klar: Der Schritt in den Onlinehandel war unvermeidbar. Doch intern stieß diese Erkenntnis auf große Skepsis. Viele Mitar-beitende argumentierten, dass Tresore etwas sind, das man sehen und anfassen muss, bevor man es kauft. Diese Vorbehalte machten deutlich, wie tief die traditionellen Denkmuster in der Branche verwurzelt waren.

Markus Hartmann setzte frühzeitig auf Transparenz und appellierte an die Verantwortung der Belegschaft. Er schlug vor, eine eigene E-Commerce-Abteilung aufzubauen und für diese Positionen intern Bewerbungen zu sammeln. Doch der Widerstand war massiv: Mitarbeitende hatten Angst vor Veränderungen und sorgten sich um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Sätze wie „Wer sich auf dieses Projekt bewirbt, kann auch gleich seine Kündigung unterschreiben“ spiegelten die tiefsitzende Angst wider.

Externe Unterstützung als Schlüssel

Um die internen Widerstände zu überwinden, holte Markus Hartmann externe Berater ins Boot. Diese halfen nicht nur dabei, die Ursachen für die Skepsis zu identifizieren, sondern entwickelten gemeinsam mit dem Unternehmen eine Strategie, die den Wandel in klaren Schritten umsetzte. Dabei wurde schnell klar, dass nicht nur der Vertrieb digitalisiert, sondern die gesamte Unternehmensstrategie überdacht werden musste.

Gemeinsam mit den Beratern entwarf Markus Hartmann eine nachhaltige Strategie, die sowohl kurz- als auch langfristige Ziele definierte. Dabei ging es nicht nur darum, die technischen Voraussetzungen für einen Onlineshop zu schaffen, sondern auch die Belegschaft mitzunehmen. Durch Workshops und Schulungen wurde das notwendige Wissen vermittelt, um den Wandel greifbarer zu machen. Dennoch zeigte sich, dass nicht alle Mitarbeitenden diesen Weg mitgehen konnten oder wollten.

Trennung als Teil der Transformation

Ein einschneidender, aber notwendiger Schritt war es, sich von Mitarbeitenden zu trennen, die sich nicht mit der neuen Strategie identifizieren konnten. Einige entschieden sich selbst, das Unternehmen zu verlassen, andere wurden gezielt entlassen. Diese Umstrukturierung machte Platz für neue Talente, die den digitalen Wandel mitgestalten wollten.

Dieser Transformationsprozess ging mit einem grundlegenden Wandel in der Unternehmenskultur einher. Markus Hartmann erkannte, dass eine erfolgreiche Transformation nicht allein von oben gesteuert werden kann. Er förderte eine offene Feedbackkultur, in der alle Mitarbeitenden gehört wurden, und gab schrittweise Verantwortung an die Belegschaft ab. Heute arbeitet das Unternehmen in flachen Hierarchien, in denen Entscheidungen oft im Team getroffen werden. Diese Kultur des Vertrauens und der Eigenverantwortung hat die Dynamik innerhalb der Belegschaft grundlegend positiv verändert.

Fazit: Wandel als Chance

Foto: © Hartmann Tresore

Die Transformation von Hartmann Tresore zeigt, dass selbst in einer konservativen Branche wie der Tresorindustrie Veränderungen möglich sind. Entscheidend waren dabei der Mut zur Neu-orientierung, die Bereitschaft, schwierige Entscheidungen zu treffen, und die Schaffung einer Unternehmenskultur, die auf Teamarbeit und Eigenverantwortung setzt. Markus Hartmanns Fazit: „Veränderung ist selten angenehm, aber wenn ein Unternehmen zukunftsfähig bleiben möchte, führt kein Weg daran vorbei.“

 


„Die Tresorbranche ist eine der innovationsresistentesten“

Foto: © Thorsten-Hennig-Fotografie

Interview mit Markus Hartmann, Vorstand bei Hartmann Tresore

Unternehmeredition: Herr Hartmann, was hat es Ihnen eigentlich ganz persönlich abverlangt, Ihr Unternehmen innovativer zu machen?

Markus Hartmann: Für mich persönlich war es richtig hart, dass ich mich von vielen Mitarbeitenden trennen musste und dass ich mich persönlich so stark hinterfragen musste. Aber auch feststellen zu müssen, dass ich den Wandel nicht allein bewerkstelligen kann, war schwierig für mich, da ich Ver-antwortung abgeben musste.

Was sind denn Innovationen, die ihre Branche prägen?

Wir setzen auf drei große Trends: Blockchain, Biometrie und smarte Technologien. Blockchain sorgt dafür, dass digitale Werte oder sensible Daten sicher geschützt sind. Biometrie bietet maximale Sicherheit und Komfort, zum Beispiel durch Zugangssysteme mit Gesichtserkennung. Und mit einer App schafft man eine zusätzliche Schutzebene für den Inhalt der Tresore.

Wieso ist die Tresorbranche so innovationsarm?

Das Problem ist, dass die Branche seit Jahrzehnten von Stabilität geprägt ist. Warum sollte man etwas ändern, wenn es auch so gut läuft?

Die Frage geht eher an Sie.

Auch wenn die Uhren bei Tresorherstellern anders ticken, war ich überzeugt, dass man mit der Zeit gehen sollte. Nur weil alles momentan läuft, heißt es nicht, dass es auch so bleiben wird. Ich wollte was Neues und den Trend der Zeit in die Tresorbranche bringen.

Sicherheit ist derzeit in aller Munde, wie wird sich Sicherheit in Zukunft verändern?

Immer mehr Menschen fühlen sich nicht mehr sicher. Daher müssen neue und vor allem verlässliche Lösungen her. Ich sage immer, Sicherheit wird smart. Es wird smarte Sicherheitslösungen geben, sodass am Ende alle Sicherheitsvorkehrungen für Wohnungen und Häuser einfach von einem Smartphone aus steuerbar und einsehbar werden.

Lieber Herr Hartmann, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch. 


Kurzprofil: Hartmann Tresore AG

Vorstand: Markus Hartmann

Gründungsjahr: 1986

Branche: Sicherheitsbranche, spezialisiert auf Tresore

Firmensitz: Paderborn

Mitarbeiter: 140

www.hartmann-tresore.de

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