Unternehmerfamilien sorgen sich zunehmend um ihr Vermögen

Steuern, Abgaben und eine wachsende technologischen Kluft zu USA und China

„wir“-Barometer zeigt eine Konstanz in der Reihenfolge der Bedrohungen für das Familienvermögen bei steigender Intensität.
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Die Ergebnisse des mittlerweile fünften „wir“-Barometer, einer aktuellen Befragung unter Gesellschaftern familiengeführter Unternehmen zu ihrer Vermögensanlage, durchgeführt von „wir-Magazin für Unternehmerfamilien“ zusammen mit der WIFU-Stiftung und Pictet Wealth Management zeigt eine Konstanz in der Reihenfolge der Bedrohungen für das Familienvermögen bei steigender Intensität.

Statt 55% sehen inzwischen rund 62% in der Erhöhung von Steuern und Abgaben in Deutschland die größte Bedrohung. Mittlerweile 46% (vorher 42%) sehen ein wesentliches Problem in einem zu geringen Tempo Europas bei technischen Entwicklungen im Vergleich zu USA und China. Insgesamt würden die Ergebnisse zeigen, dass das wirtschaftliche und technologische Machtgefüge eine größere Bedeutung für die Befragten habe als das politische.

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Die Befragten setzen inzwischen höhere Maßstäbe an die nominale Rendite. 48% visieren eine Rendite zwischen 5 und 10% an (im Vergleich zu 43% im Vorjahr).

Rund ein Viertel der Befragten beabsichtigt, die Investitionen in Private Equity zu erhöhen (im Vergleich zu 33% im letzten Jahr).

Je jünger die Unternehmen sind, umso offener stehen sie dem Einsatz von Hedgefonds gegenüber (immerhin 45% der zweiten Generation und 47% der dritten Generation sind investiert).

Immobilieninvestments sind auf hohem Niveau weiterhin stark gefragt: 52% planen deren Ausbau (gegenüber 60% im Vorjahr).

Inzwischen 40% der Befragten geben an, dass sie keine Nachhaltigkeitsaspekte bei ihrer Vermögensanlage berücksichtigen (Vorjahr: 22%).

Nach wie vor 50% der Teilnehmer sehen beim Thema Nachfolge in einer Stiftungslösung nicht das geeignete Mittel der Wahl (Vorjahr: 52%) und wenn, dann wird eine Familienstiftung als Lösung favorisiert (21% gegenüber 18% im Vorjahr).

Bei der Festlegung der Vermögensstrategie bevorzugt die Mehrheit (konstant bei 54%) einen systematischen und formalisierten Ansatz. Abseits dieser Gruppe nimmt jedoch auch der informelle Austausch zum Thema Vermögensstrategie zwischen Familienmitgliedern zu.

Zunehmende Komplexität erschwert die Lage

Dazu Prof. Dr. Tom Rüsen, geschäftsführender Vorstand der WIFU-Stiftung: „Das ist in der Tat ein erstaunliches Ergebnis. Es rüttelt an einem der letzten Tabuthemen, über Vermögen, sprich über das Sekundärvermögen, zu diskutieren. Hier scheint sich inzwischen eine Sprechfähigkeit zu entwickeln, die letztlich der zunehmenden Komplexität des Themas geschuldet ist. Zudem ist die NextGen in Finanzmarkt- und Anlagethemen gut ausgebildet.“

Oliver Holtz, stellvertretender Leiter von Pictet Wealth Management in Deutschland hält zum einen „die Inflationsgefahr für unterschätzt“ und sieht Erklärungsbedarf bei den Themen Private Assets und Nachhaltigkeit: „Durch die gestiegenen Zinsen haben sich die Bedingungen für Kauf und Verkauf von Unternehmen verschlechtert. Dies führte zwischenzeitlich zu einer Zurückhaltung im Private-Equity-Geschäft. Der Markt zieht jetzt jedoch wieder an, und im letzten Jahr haben wir festgestellt, dass die Transaktionshäufigkeit wieder zunimmt. Dies wird auch wieder zu höheren Ausschüttungen und einer positiven Entwicklung der Renditen führen.“

Nachhaltiges Investieren nur vermeintlich auf dem Rückzug

Und auch wenn Nachhaltigkeit auf den ersten Blick an Bedeutung bei der Vermögensstrategie zu verlieren scheint, glaubt er: „Die Herausforderungen des Klimawandels sind nach wie vor da, und geeignete Lösungen zu seiner Bewältigung werden lohnende Investments nach sich ziehen.“ Somit werde sich auch das Bewusstsein „wieder stärker in diese Richtung entwickeln.“

Petra Gessner, Chefredakteurin des „wir“-Magazins, ergänzt: „Aus unseren Interviews wissen wir, dass sich mehr Unternehmerfamilien mit der Stiftung als Nachfolgelösung auseinandersetzen als noch vor zehn Jahren. Dabei richten sie ihren Blick auch nach Österreich, Liechtenstein oder in die Schweiz, bevorzugen aber bislang den Stif-tungsstandort Deutschland. Die Redaktion wird sich genauer anschauen, inwieweit Privatnützigkeit und Gemeinnützigkeit hierbei in Zukunft verbunden werden.“

Die Pictet-Gruppe ist ein von Teilhabern geführtes Unternehmen, dessen Grundsätze der Eigentumsübertragung und Nachfolgeregelung sich seit der Gründung im Jahr 1805 nicht verändert haben. Sie ist ausschließlich in den Bereichen Wealth Management, Asset Management, alternative Investmentlösungen und Asset Services tätig, betreibt kein Investmentbanking und ist nicht im Kreditgeschäft aktiv.

Mit verwalteten oder verwahrten Vermögen von CHF 724 (EUR 771/ USD 799/ GBP 638) Milliarden per 31. Dezember 2024 zählt die Pictet-Gruppe heute zu Europas führenden unabhängigen Vermögensverwaltern für private und institutionelle Kunden.
Die Pictet-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Genf, Schweiz, wo die Bank gegründet wurde, beschäftigt rund 5500 Personen und hat weltweit 31 Standorte: Amsterdam, Barcelona, Basel, Brüssel, Dubai, Frankfurt, Genf, Hongkong, Lausanne, Lissabon, London, Luxemburg, Madrid, Mailand, Monaco, Montreal, München, Nassau, New York, Osaka, Pa-ris, Rom, Shanghai, Singapur, Stuttgart, Taipeh, Tel Aviv, Tokio, Turin, Verona und Zürich.

Die im Jahr 2009 gegründete WIFU-Stiftung hat das Ziel, Forschung und Lehre im Bereich des Familienunternehmertums sowie den Transfer der Erkenntnisse in die Praxis zu fördern. Unterstützt wird die Stiftung von über 80 Familienunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Fördermittel dienen hauptsächlich der Finanzierung von Lehrstühlen, Forschungsprojekten und Stipendien für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein Schwerpunkt der Forschungsförderung liegt auf dem Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) an der Universität Witten/Herdecke mit seinen drei Forschungs- und Lehrbereichen Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Psy-chologie/Soziologie.

Autorenprofil

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Wirtschaftsjournalismus und in der PR.

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