Im Jahr 2024 standen viele mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg unter erheblichem Druck. Steigende Energiepreise, Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie und ein zunehmend rezessives Umfeld belasteten die Wirtschaft. In diesem schwierigen Umfeld blieben die Bürgschaftsbank und die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg nach eigenen Angaben verlässliche Partner für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). 2024 wurden wichtige Transformationsprozesse der Unternehmen angestoßen und dazu beigetragen, im Land über 2.900 neue Arbeitsplätze zu schaffen und circa 16.950 zu sichern. Trotz rückläufiger Investitionstätigkeit blieb das Fördervolumen stabil: Das neu genehmigte Bürgschafts- und Garantievolumen lag bei 356,0 Mio. EUR (Vorjahr: 363,3 Mio. EUR). Das genehmigte Kredit- und Beteiligungsvolumen ging nur leicht auf 577,8 Mio. EUR zurück. Besonders auffällig war die steigende Nachfrage nach Beteiligungskapital – gerade in Bereichen, in denen klassische Kreditvergabe an ihre Grenzen stößt.
Nachfolgefinanzierung im Fokus
Ein zentrales Thema im Jahr 2024 war die Unternehmensnachfolge. Der demografische Wandel verschärft die Lage: Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer nähern sich dem Ruhestand, während die Zahl potenzieller Nachfolger schrumpft. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung stehen zwischen 2022 und 2026 allein in Baden-Württemberg rund 27.300 Übergaben an. Diese Entwicklungen machen das Thema Nachfolge zur strategischen Herausforderung – nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern für die wirtschaftliche Zukunft der Region insgesamt. Die MBG hat nach eigenen Angaben in diesem Bereich klare Akzente gesetzt. So stieg das genehmigte Beteiligungsvolumen für Unternehmensnachfolgen im Geschäftsjahr 2024 deutlich an und die Zahl der genehmigten Nachfolgeprojekte erhöhte sich von vier auf elf. Der Anteil von Existenzgründungen und Nachfolgen am gesamten Beteiligungsvolumen stieg auf 33,8% , nach 21,6% im Vorjahr. Auch die Bürgschaftsbank verzeichnete im Jahr 2024 665 Nachfolgefinanzierungen mit einem Bürgschafts- und Garantievolumen von 161,5 Mio. EUR.
Finanzierungsbedarf steigt
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird die Rolle der MBG als Beteiligungspartner wichtiger. „Die Banken werden mit Krediten vorsichtiger. Dann schlägt die Stunde der MBGs und Bürgschaftsbanken“, heißt es aus der Geschäftsführung. Die Finanzierung von Unternehmensnachfolgen ist komplex, risikobehaftet und oft zeitkritisch. Klassische Kredite sind nur bedingt geeignet. Hier kommen eigenkapitalähnliche Finanzierungsformen ins Spiel – etwa stille Beteiligungen der MBG. Dabei sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken die wichtigsten Kooperationspartner der MBG. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es, Finanzierungslücken zu schließen und gleichzeitig stabile Rahmenbedingungen für die Nachfolger zu schaffen. „Wenn das Risiko höher ist, dann wird eine Eigenkapitalbeteiligung wichtiger“, so Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG.
ERP-Förderkredit und Startfinanzierung80
Ein neues Instrument im Bereich der Nachfolgefinanzierung wurde im November 2024 eingeführt: der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge. „Wir brauchen hierfür neue Finanzierungsmodelle, wie beispielsweise den gerade gestarteten ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge, um den Bedürfnissen des Mittelstands gerecht zu werden“, erklärt Selbherr. Das Besondere: Die Finanzierung sei mit einer 100-prozentigen Bürgschaft der Bürgschaftsbanken unterlegt, was den Hausbanken eine deutlich größere Kreditvergabe erleichtert. Darüber hinaus bleibt die Startfinanzierung80 ein bewährtes Programm für Gründerinnen, Gründer und Nachfolger. Gemeinsam mit der L-Bank biete die Bürgschaftsbank hier ein Programm an, das 2024 über 900 Gründungen mit einem Volumen von rund 86 Mio. EUR ermöglichte. Zielgruppe sind dabei nicht nur klassische Gründer, sondern auch Unternehmerinnen und Unternehmer, die im Zuge einer Nachfolge erstmals Verantwortung übernehmen. „Baden-Württemberg ist ein Land des Mittelstands. 98 Prozent der Unternehmen kommen aus dem Bereich SME“, betont Dr. Patrick Rapp, Staatssekretär für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus. „Wir können uns nicht aus der Krise schrumpfen mit einer Verringerung der Arbeitszeit“, ergänzt er und unterstreicht damit die Notwendigkeit, wachstumsorientierte Unternehmerpolitik zu betreiben.
Digitale Lösungen ergänzen Angebot
Auch strukturell hat die MBG 2024 aufgerüstet. Über Landingpages zu Themen wie Nachfolge, Mikromezzanin oder ERP-Förderkredit wird die Sichtbarkeit im Netz erhöht. Ziel ist es, potenzielle Interessenten gezielter abzuholen und in das digitale Finanzierungsportal zu leiten. Zusätzliche Impulse setzen die Programme aus dem europäischen InvestEU-Rahmen. 2024 wurden 14 Genehmigungen mit einem Bürgschaftsvolumen von 9,5 Mio. EUR und einem Kreditvolumen von 16,9 Mio. EUR erteilt. Diese Programme ermöglichen die Finanzierung von Projekten in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit – zunehmend auch im Zusammenhang mit Nachfolgekonzepten.
Stille Beteiligungen weiterhin gefragt
Die MBG bewilligte im Jahr 2024 insgesamt 106 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 21,1 Mio. EUR. Während das Volumen leicht rückläufig war, stieg die Anzahl der Vorhaben. Ohne Mikromezzanin belief sich das Volumen auf 18,2 Mio. EUR. Die Nachfrage nach Eigenkapital-Finanzierungen litt unter dem gestiegenen EU-Referenzzinssatz, dennoch bleibt diese Finanzierungsform unverzichtbar. Für Transformationsprozesse sind erhebliche Mittel notwendig – insbesondere bei Generationswechseln. Ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung kommt vom neu aufgelegten Mikromezzaninfonds III. Das bundesweite Programm bietet stilles Beteiligungskapital bis zu 100 TEUR, für gemeinwohlorientierte oder nachhaltige Unternehmen sogar bis zu 150 TEUR. Finanziert wird es aus dem Europäischen Sozialfonds Plus und dem ERP-Sondervermögen. Die MBG BW betreute zum Jahresende 161 aktive Vorhaben im Bestand.
Nachfolge bleibt strategisches Handlungsfeld
Für 2025 kündigt die MBG weitere Aktivitäten im Bereich Nachfolge an. Ziel ist es, durch gezielte Finanzierung und Beratung den Strukturwandel im Mittelstand aktiv zu begleiten. Instrumente wie der Nachfolgemonitor helfen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Förderangebote weiterzuentwickeln. Die MBG setzt zudem mit einem eigenen Nachhaltigkeitsbonus Anreize für zukunftsorientierte Nachfolger. Wird ein Projekt durch die L-Bank als nachhaltig anerkannt oder dies durch einen externen Partner bestätigt, reduziert sich das Beteiligungsentgelt. „Stillstand ist für einen Mittelständler keine Option. Man erfindet sich hier immer neu. Mit Kreativität und Agilität werden auch in schwierigen Situationen neue Wege gesucht“, beschreibt Guy Selbherr die Resilienz des baden-württembergischen Mittelstands. Mit ihren Angeboten zur Unternehmensnachfolge nehme die MBG Baden-Württemberg somit eine Schlüsselrolle ein – nicht nur als Finanzierer, sondern als strategischer Partner für die wirtschaftliche Zukunft des Landes.