Unternehmen in Deutschland blicken pessimistisch in die Zukunft

Quelle: KI
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29wie eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Coface belegt. Politische Unsicherheiten und gestörte Lieferketten werden als größte Herausforderungen betrachtet, weshalb viele Unternehmen verstärkt auf De-Risking-Strategien setzen, um ihre Abhängigkeiten zu reduzieren.

Schlechte Konjunktur und negative Erwartungen

Fast die Hälfte der 774 befragten Unternehmen bewertet ihre aktuelle Lage schlechter als im Jahr 2023, während nur 9 Prozent eine Verbesserung sehen. Diese Diskrepanz ergibt einen negativen Saldo von -39 Punkten. Christiane von Berg, Volkswirtin bei Coface, erklärt: „Obwohl 2024 keine neuen Risikofaktoren hinzugekommen sind, ist die Stimmung schlechter als in den Vorjahren nach der COVID-19-Pandemie und dem Kriegsausbruch in der Ukraine.“ Die Erwartungen an das kommende Jahr 2025 bleiben geteilt: 23 Prozent der Unternehmen hoffen auf eine Erholung, während 22 Prozent einen weiteren Rückgang erwarten. Besonders optimistisch zeigen sich Firmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie, die nach einer langen Phase der Unsicherheit auf stabilere Zeiten setzen.

Bau- und Transportbranche in der Krise

Christiane von BergVor allem in der Bauwirtschaft und im Transportsektor herrscht eine angespannte Lage. Die Baubranche weist einen Saldo von -19 Punkten auf und erwartet keine kurzfristige Erholung. Christiane von Berg erläutert: „Obwohl die Finanzierungskosten sinken dürften, kommen wir von einem hohen Zinsniveau. Dies könnte Investitionen bremsen.“ Die Transportbranche sieht sich aufgrund der Rezession in der Industrie und schwachen Konsumausgaben ebenfalls stark unter Druck. Die sinkende Nachfrage im Personenverkehr, bedingt durch gestiegene Kosten und Umweltaspekte, verstärkt die Herausforderungen.

Politische Unsicherheit als Hauptfaktor

Politische Unsicherheit bleibt das Hauptrisiko: 19 Prozent der Unternehmen geben dies als größte Gefahr an. Damit verbunden sind oft auch geopolitische Spannungen, jedoch sorgt laut von Berg auch die unklare Innenpolitik in Deutschland für Zurückhaltung bei Investitionen. Sie kritisiert den Kommunikationsstil der Regierung und das Fehlen einer klaren Strategie, was zu einem Rückgang der Ausgaben geführt habe.

De-Risking wird zur Standardstrategie

Angesichts der Risikofaktoren setzen immer mehr Unternehmen auf De-Risking. Maßnahmen wie die Diversifizierung des Lieferantenportfolios oder die Verlagerung der Produktion gewinnen an Bedeutung: 2023 verfolgten 12 Prozent der Unternehmen solche Strategien; 2024 sind es bereits 16 Prozent. Vorreiter ist der Maschinenbau, wo jedes dritte Unternehmen aktiv De-Risking betreibt. Die Coface-Umfrage, die bereits im achten Jahr durchgeführt wurde, fand zwischen Juni und August 2024 statt. Sie befragte Unternehmen aus 13 verschiedenen Branchen zu ihren Erfahrungen und Erwartungen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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