Die Transformation der Energieversorgung fordert innovative Technologien für sichere Stromnetze. Johannes Linden, Vorstandssprecher der Pfisterer Holding SE, erklärt, wie das Unternehmen neue Märkte erschließt und die Energiewende voranbringt.
Unternehmeredition: Welche Schwerpunkte setzen Sie mit der „Strategie 2030“, und wie wollen Sie das Wachstum international weiter vorantreiben?

Johannes Linden: Mit der „Strategie 2030“ stellt Pfisterer die Weichen für eine Fortsetzung seiner positiven Unternehmensentwicklung. Ein Schwerpunkt der Strategie bildet die weitere Internationalisierung. Wir erwirtschaften schon heute rund 40% unserer Umsätze außerhalb Europas und haben nun in den USA auf rund 10.000 Quadratmetern eine neue hochmoderne Produktions- und Vertriebsstätte eröffnet. Auch in Ländern wie Indien und Saudi-Arabien sowie in unserem wichtigsten Kernmarkt, Zentraleuropa, sehen wir nach wie vor ausgezeichnete Wachstumschancen. Wir bauen zudem unser innovatives Produktportfolio immer weiter aus und werden in den kommenden Monaten neue serienreife Produkte für den Hochspannungs-Gleichstrom-(HV/DC-)Bereich auf den Markt bringen. Gleichstrom wird heute immer häufiger in industriellen Anwendungen eingesetzt, weil sich damit Strom unter anderem verlustärmer über weite Strecken übertragen lässt. Der HV/DC-Markt entwickelt sich erst und wird eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielen. Offshore-Windenergie und Offshore-Seekabel sind ebenfalls Felder, in denen wir gute Wachstumsmöglichkeiten sehen und die wir noch stärker bespielen werden. Wir werden mit unseren Produkten aktiv die Entwicklung neuer Marktsegmente mitgestalten.
Wir verfügen über mehr als 100 Jahre Erfahrung in einem risikoaversen Markt mit hohen Eintrittsbarrieren und ein innovatives Produktportfolio. Wir sind hervorragend aufgestellt, um weiter erfolgreich zu wachsen.
Wie tragen Ihre Technologien zur Modernisierung der Energieinfrastruktur bei?
Es muss jetzt gehandelt werden, damit die notwendige Modernisierung der Energieinfrastruktur zügig umgesetzt und Klimaschutzziele erreicht werden können. Wir gehören zu den wenigen Unternehmen weltweit, die mit ihren Produkten die gesamte Wertschöpfungskette der Energieinfrastruktur abdecken – von der Energieerzeugung bis zum -verbrauch. Mit unseren Lösungen zu Land, zu Wasser und in der Luft können wir jederzeit und schnell in die Umsetzung gehen. Wir entwickeln unsere Produkte stetig weiter und verfügen über die modernsten Fertigungsverfahren und Lösungen für das Kontaktieren, Verbinden und Isolieren elektrischer Leiter. Unsere Produkte kommen schon heute in mehr als 70 Ländern weltweit zum Einsatz und sind mit dem Vorteil verbunden, dass wir herstellerunabhängig sind. Hierdurch können wir sämtliche Kabel am Markt bedienen und Unternehmen müssen sich nicht in die Abhängigkeit einzelner Kabelhersteller begeben.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der globalen Nachfrage nach stabilen Stromnetzen, insbesondere in Schwellenländern?
Die weltweite Stromnachfrage steigt in den kommenden Jahren weiter an. Wachstumstreiber sind dabei unter anderem die Schwellen- und Entwicklungsländer, erneuerbare Energien und Dekarbonisierung, aber auch globale Megatrends wie künstliche Intelligenz, die intelligente Energieinfrastrukturlösungen erfordern. Während die Klimapolitik bei der Erreichung von Klimazielen und der Umstellung auf erneuerbare Energien in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielte, wurde gleichzeitig viel zu wenig in die Stromnetze investiert. Die Netzinfrastruktur ist in vielen Ländern veraltet, und der hohe Investitionsstau in den Netzen bedroht die Versorgungssicherheit. Fehlende Kapazitäten sowie eine Überalterung der Übertragungs- und Verteilnetze könnten daher die Energiewende ausbremsen. Aufgrund dessen planen die Netzbetreiber weltweit mit erheblichen Investitionen. Die Experten von BloombergNEF haben vorgerechnet, dass bis 2050 mehr als 21 Bio. USD in die Stromnetze fließen müssen, um Netto-null-Emissionen zu erreichen – eine echte Mammutaufgabe. Eine Herausforderung liegt auch in der Dezentralisierung der Stromnetze, die sich aus der höheren Nutzung von Strom aus erneuerbarer Energie wie etwa Windkraftanlagen ergibt. Hier wiederum kommt dann der bereits erwähnte Hochspannungsgleichstrom ins Spiel. Er wird das Stromnetz auf ein neues Level bringen.
Sie haben angekündigt, der Kapitalmarkt sei für Pfisterer eine Finanzierungsoption – was bedeutet das konkret?
Wir sehen künftig hervorragende Wachstumsperspektiven für Pfisterer. Um nachhaltig eine positive Unternehmensentwicklung zu gewährleisten, prüfen wir entsprechend auch fortlaufend verschiedene Finanzierungsoptionen aus Fremd- und Eigenfinanzierung. Eine mögliche Option in unserem Finanzierungsmix stellt dabei der Kapitalmarkt dar.
Wie ist Ihre Vision für Pfisterer? Wo sehen Sie das Unternehmen in zehn Jahren?
Pfisterer ist weiter auf Wachstum eingestellt. Wir gehören zu den weltweit führenden Unternehmen, und unsere Produkte kommen an allen Schnittstellen im Bereich Energieinfrastruktur zum Einsatz. Wir wollen unsere ausgezeichnete Marktposition weiter ausbauen, in neue Märkte expandieren und unsere Kundenbasis stärken. Wir sind in der Pole Position für den neu aufkommenden Hochspannungsgleichstrommarkt und wollen auch in diesem ein wichtiger Player werden. Mit unserer Strategie 2030 haben wir nun an den richtigen Stellschrauben gedreht, um Pfisterer auch die kommenden Jahre in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.
Wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Interview führte Eva Rathgeber.
ZUR PERSON
Johannes Linden ist Mitglied des Vorstands/Sprecher der Pfisterer Holding SE. Seit Januar 2023 verantwortet er bei dem Unternehmen die Ressorts Finance und Operations. Herr Linden ist seit 20 Jahren als Allein- und Konzerngeschäftsführer großer mittelständischer, international operierender Lösungsanbieter in der Automations- und Maschinenbaubranche tätig.
👉 Lesen Sie hier auch unser Unternehmensporträt zu Pfisterer: https://www.unternehmeredition.de/stromnetze-unter-druck/