Stimmung im Mittelstand steigt erstmals

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die Stimmung im deutschen Mittelstand hat sich zu Jahresbeginn 2025 erstmals seit April des Vorjahres leicht verbessert. Laut dem aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometer stieg das Geschäftsklima im Januar leicht um 0,6 Zähler. Trotz dieser moderaten Erholung bleibt das Niveau weiterhin historisch niedrig. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate steigen nur minimal und bleiben zudem weiterhin pessimistisch. Unsicherheiten wie mögliche US-Zollpläne und die unklare politische Lage in Deutschland belasten laut der Befragung die wirtschaftliche Stimmung. Während sich die Urteile zur aktuellen Geschäftslage leicht verbesserten, bleibe das Gesamtbild fragil. Dennoch deute sich eine mögliche Stabilisierung der Lagebewertungen an. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd, und die Mehrheit der Unternehmen blickt mit Skepsis in die Zukunft.

Dienstleistungssektor als Lichtblick

Der Dienstleistungssektor zeigt als einziger Wirtschaftsbereich eine spürbare Verbesserung der Stimmung. Das Geschäftsklima in kleinen und mittleren Dienstleistungsunternehmen stieg an. Sowohl die Lage- als auch die Erwartungskomponente verbesserten sich deutlich. In anderen Branchen bleibt die Stimmung verhalten. Besonders im Einzelhandel zeigt sich eine Eintrübung des Geschäftsklimas. Die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte belaste den Handel spürbar. Trotz gestiegener Realeinkommen sparen viele Verbraucher aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten. Die Exportindustrie kämpft weiterhin mit großen Herausforderungen. Auch im Baugewerbe trübt sich die Stimmung weiter ein. Gestiegene Finanzierungskosten und hohe Materialpreise belasten die Bauwirtschaft weiterhin erheblich. Zudem erschwert der Anstieg des Arbeitslosigkeitsrisikos die Finanzierung privater Bauprojekte.

Großunternehmen mit wachsendem Pessimismus

Im Gegensatz zu den Mittelständlern verschlechterte sich das Geschäftsklima bei den Großunternehmen erneut. Besonders die Geschäftserwartungen verschlechterten sich deutlich. Die Stimmungsverschlechterung betrifft vor allem den Einzelhandel, das Baugewerbe und die exportorientierte Industrie. Besonders stark betroffen seien große Industrieunternehmen, die mit internationalem Wettbewerbsdruck und geopolitischen Unsicherheiten kämpfen. Im Gegensatz dazu konnten die Großunternehmen im Dienstleistungssektor eine deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas verzeichnen.

Miniwachstum erwartet

Die deutsche Wirtschaft bleibt auch zu Beginn des Jahres 2025 in einer schwierigen Lage. Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer signalisiert lediglich eine minimale Verbesserung der Stimmung im Mittelstand. Die seit fünf Jahren anhaltende wirtschaftliche Stagnation und der zunehmende Verlust an Wettbewerbsfähigkeit stelle weiterhin große Herausforderungen dar. Die aktuelle Erholung sei vor allem auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen, während die exportorientierte Industrie weiter unter Druck steht. Eine weiterhin hohe Sparquote könnte das Wachstum weiter bremsen. Ohne eine spürbare Trendwende in den kommenden Monaten bleibe laut den Studienautoren für 2025 allenfalls ein Miniwachstum realistisch.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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