Mitarbeiterentwicklung − verborgene Chance des Fachkräftemangels

Mit gezielten Investitionen in Ausbildung Engpässe überwinden und Zukunftsfähigkeit sichern

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Fachkräftemangel kostet die Wirtschaft jährlich 49 Milliarden Euro an Produktionskapazitäten.
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Der Fachkräftemangel stellt Unternehmen vor enorme Herausforderungen, doch es gibt Lösungen. Erfahren Sie, wie gezielte Investitionen in Ausbildung und Mitarbeiterentwicklung dazu beitragen können, nicht nur die aktuellen Engpässe zu überwinden, sondern auch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Fachkräftemangel kostet die deutsche Wirtschaft jährlich rund 49 Mrd. EUR an Produktionskapazitäten. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der demografische Wandel verschärft die Krise weiter: Bereits ab 2027 werden jährlich 283.000 Menschen mehr in den Ruhestand treten, als neue Arbeitskräfte nachrücken.

Trotz dieser alarmierenden Entwicklungen halten viele Unternehmen an einer „Wird schon“-Mentalität fest. Dieser gefährliche Stillstand ist jedoch ein Luxus, den sich niemand mehr leisten kann. Wer nicht aktiv an seiner Zukunft arbeitet, riskiert mittelfristig die Existenz seines Unternehmens.

Die tickende Zeitbombe des Fachkräftemangels

Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind unübersehbar: Viele Unternehmen kämpfen mit sinkenden Aufträgen und dem Druck durch strukturelle Umbrüche.  Mangels Personal kämpfen sie aber auch so, ihre Aufträge überhaupt zu erfüllen. 2023 blieben allein in Deutschland 573.000 Stellen unbesetzt – und das bei einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage.

Häufig wird versucht, diese Lücke durch verstärkte Recruiting-Maßnahmen zu schließen. Doch wenn diese nicht den gewünschten Erfolg bringen, wird die Schuld oft der Politik zugeschoben. Dieses „Fingerpointing“ mag kurzfristig bequem erscheinen, löst jedoch kein einziges Problem. Vielmehr verlängert es die Untätigkeit und verschärft die Situation.

Stop mit den Ausreden: Die Macht der Eigeninitiative

Es gibt einen entscheidenden Hebel, den jedes Unternehmen selbst in der Hand hat: die eigenen Mitarbeitenden. Während sich viele Betriebe ausschließlich darauf konzentrieren, neues Personal zu gewinnen, liegt die wahre Chance in der gezielten Weiterentwicklung der bestehenden Belegschaft.

Hierfür gibt es heute zahlreiche Tools und Ansätze, die helfen können. Von digitaler Abrechnung bis zur Steuerung von Teams: Wer effizient sein will, kann es tun. Dazu fällt auch die Befähigung von Mitarbeitenden. Unternehmen, die in die Weiterbildung ihrer Teams investieren, profitieren gleich doppelt: Sie steigern nicht nur die Attraktivität für potenzielle Fachkräfte, sondern erhöhen auch die Kompetenz und Leistungsfähigkeit ihres bestehenden Personals.

Ausbildungsqualität als Wettbewerbsvorteil?

Die Qualität der Ausbildung ist ein entscheidender Faktor, der über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheidet. Innovative digitale Tools können dabei helfen, die Ausbildungsstandards nicht nur zu verbessern, sondern gleichzeitig auch die Kosten zu reduzieren. Dies ist gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten ein unschätzbarer Vorteil.

Darüber hinaus zeigt sich: Zufriedene Auszubildende tragen maßgeblich zum guten Ruf eines Unternehmens bei. Eine hochwertige Ausbildung erhöht nicht nur die Abschlussquote, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass Azubis das Unternehmen weiterempfehlen. In einer Zeit, in der Fachkräfte Mangelware sind, kann dies der entscheidende Wettbewerbsvorteil sein.

Zufriedenheit, die sich multipliziert: Mitarbeitende als Botschafter

Jeder Mitarbeitende ist letztlich ein Botschafter für das Unternehmen. Zufriedene Mitarbeitende erzählen Freunden, Familie und Bekannten von ihrer positiven Arbeitserfahrung – sei es im persönlichen Gespräch oder über soziale Medien.

Diese Form der Mundpropaganda kann kaum durch klassische Employer Branding Maßnahmen ersetzt werden. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als langfristige Partner betrachten, profitieren von dieser positiven Dynamik.

Darum ist es wichtig, Mitarbeitende gezielt digital auszubilden

Die eigenen Mitarbeitenden und Auszubildenden gezielt weiterzubilden, ist die verborgene Chance des Fachkräftemangels. Dort, wo Arbeitskräfte schwer zu rekrutieren sind, lohnt es sich, auf die Fähigkeiten der bestehenden Belegschaft zu bauen. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Mitarbeitende entwickeln genau die Fähigkeiten, die das Unternehmen braucht.
  • Wer gefördert wird, fühlt sich wertgeschätzt und bleibt dem Unternehmen treu.
  • Weniger Fluktuation spart Kosten und sorgt für Stabilität im Team.

Vor allem gewerblich technische Unternehmen wie Bosch setzen mittlerweile in der Ausbildung ihrer Mitarbeitenden auf digitale Lernplattformen. Die interaktive Oberfläche und ständige Verfügbarkeit der Lerninhalte der App leistet so einen Bildungsauftrag, den eine menschliche Lehrkraft gar nicht abbilden kann. So bildet KI die perfekte Unterstützung für den Präsenzunterricht. Durch digitalisierte Tests und automatische Korrekturen nach IHK Standards spart das Unternehmen obendrauf Zeit und Geld. Außerdem lässt sich bei Bosch seit der digitalen Ausbildung ein kurzfristiger ROI-Effekt feststellen. Wir lernen: Die eigene Belegschaft weiterzubilden, schafft Stabilität, steigert die Loyalität und sichert den Erfolg des Unternehmens in der Zukunft. Wer auf digitale Ausbildung setzt, ermöglicht seinen Mitarbeitenden eine individuell auf sie zugeschnittene Ausbildung. Denn: Nur wer in die Menschen investiert, die schon Teil des Teams sind, kann den Fachkräftemangel nachhaltig bewältigen.

Fazit: Zukunft sichern, bevor es zu spät ist

Unternehmen, die in ihre Mitarbeitenden investieren, sichern nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft. Von der Ausbildung bis zur langfristigen Entwicklung müssen Strategien implementiert werden, die bestehende Potenziale ausschöpfen und neue Perspektiven schaffen.

In Zeiten, in denen Fachkräfte entscheiden können, wo sie arbeiten möchten, haben Unternehmen nur dann eine Chance, wenn sie sich als attraktive, innovative und verlässliche Arbeitgeber positionieren. Wer nicht handelt, riskiert nicht nur den Verlust potenzieller Fachkräfte, sondern auch den eigenen wirtschaftlichen Untergang.

Autorenprofil
Alexander Giesecke
Mitgründer und Geschäftsführer at simpleclub | Website

Alexander Giesecke (re. im Bild neben Mitgründer Nico Schork) ist Mitgründer und Geschäftsführer von simpleclub, einer digitalen Lernplattform für Auszubildende.

 

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